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Alltag in Westafrika
Mitte September 2010 ist Christina Möllmann für fünf Monate nach Burkina Faso gegangen. Sie hat regelmäßig aus ihrem Alltag in Westafrika berichtet. Insgesamt sind acht Berichte erschienen. Eine Auswahl ist hier veröffentlicht.




1. Bericht: 13. Oktober 2010

Bonjour ! Ça va ?
So wird man hier in Burkina Faso (Ouagadougou) begrüßt. In Deutschland wurde ich oft gefragt: Wo liegt das? Was machst du da? Wo lebst du?
Also: Burkina Faso ist ein Staat in Westafrika nördlich der Elfenbeinküste, Hauptstadt ist Ouagadougou (kurz Ouaga, Waga gesprochen) mit einer Million Einwohner. Burkina Faso ist einer der ärmsten Staaten Afrikas. Die Regenzeit ist gerade vorbei und nun  beginnt die Trockenzeit. Die Temperaturen steigen täglich bis zu 29 Grad. Verständigung auf Französisch und Moree (die einheimische Sprache der Mossi).

Vorbereitung und Anreise
Ich arbeite ehrenamtlich  für die evangelische Hilfsorganisation AEAD. Mein Gastvater Philippe Ouedraogo hat die Organisation gegründet. Zu den Projektpartnern im Ausland gehört die Burkina-Faso-Initiative Belm. Der AEAD unterstützt, dass auch in ärmeren Regionen in Burkina Faso Leute die Möglichkeit haben, Kinder in die Schule zu schicken und dass es Kindergärten und Gesundheitszentren gibt. In den Projekten werde ich arbeiten und schauen ob man vielleicht noch etwas verbessern kann!
Seit längerer Zeit habe  ich mich auf dieses Projekt vorbereitet und nun bin ich in Afrika. Von Düsseldorf ging es über Paris nach Ouagadougou. Im  Airbus  ging es 6 Stunden nach Burkina Faso mit 2 Stunden Zeitumstellung. Fluggäste hauptsächlich Afrikaner. Neben mir setzt sich ein Mädchen (schätze sie auf 24 Jahre) wie ich später feststelle ist sie 31 und hat 2 Kinder, 15 und 4 Jahre. Wir kommunizieren auf Französisch und mit Händen und Füßen – klappt gut! Am Ende des Fluges drückt sie mir ihre Adresse in die Hand und meint, sie freut sich, wenn ich sie besuchen komme. Wir schauen mal.

Ankunft in Ouagadougou
Aus dem Flugzeug ausgestiegen, musste ich erst mal durch 4 Kontrollen. Schlimmer als in Deutschland. Gelbfieber-Impfbescheinigung, Visum, Reisepass vorzeigen und Kofferkontrolle – alles ok. Ich gehe in die Kofferhalle. Man stelle sich eine große, alte Halle vor, grau in grau, und dann war die Hälfte mit Paletten abgetrennt. Hinter den Paletten fuhr ein weißer Treckeranhänger, sehr verrostet und von Menschen gezogen durch die Halle. Links und rechts 2 Männer, die die Koffer runter holten und auf die Paletten legen. Das war der erste Kulturschock!
Dann musste ich meinen Koffer auf einen Holztisch legen und ich dachte, der bricht gleich zusammen. Die Männer guckten schon, dass ich 2 Koffer auf den Tisch legte, grinsten dann und  die Kontrolle war in Ordnung und raus aus dem Gebäude! Draußen warten so viele Leute, um Menschen abzuholen. Oh man, 29 Grad um halb 8 abends, alles dunkel und wie soll ich „meine Familie“ finden. Einfach weitergehen denke ich, da wird mir ein Bild vor die Augen gehalten und ich erkenne mich! Nach einer netten Begrüßung geht’s zum Haus. Unterwegs lasse ich die Eindrücke auf mich niederprasseln. Die Straßen sind voll von Mofas und es riecht überall verbrannt, Leute sitzen am Straßenrand und verkaufen etwas. Und kurzzeitig denke ich, was hast du dir hier eingebrockt, aber dann sind wir schon an meinem  Zuhause und es gibt extra für mich Pommes. Freue mich total!
Ich wohne in einem extra Haus quasi gegenüber. Unten ist der Sitz der Organisation und oben mehrere Zimmer. Momentan bin ich noch alleine, in 2 Wochen soll ein Engländer kommen.
Irgendwann total geschafft ins Bett gelegt und versucht zu schlafen – da kommt um 4 Uhr morgens der Muezzin mit seinen Rufen, das ganze ging einen Stunde. Erste Nacht schlecht geschlafen.

Mein erster Tag in der Krankenstation
Ich war wieder mal viel zu früh wach, und was machen? Aus dem Fenster gucken und orientieren, dann kommen schon die ersten Rufe „Nassara“ (= Weißer). Kinder winken mir zu! Um unser Haus eine riesige Mauer, alles abgezäunt und unten steht nachts als auch über Tag ein Wächter. Ich fühle mich sicher. Dann geht’s zum Frühstück und ich lerne meine Gastgeschwister kennen: Stefan (20), Muriel (23) und Danu (Daniel, 25). Muriel ist so alt wie ich und sie zeigt mir alles – sehr angenehm! Wir sprechen englisch. Dann geht’s los in ein Armenviertel zu einer Krankenstation, wo ich arbeiten werde. Wir werden gefahren von Papuo, er ist 30 Jahre. Unterwegs nächster Kulturschock .Wir fahren über Straßen mit circa 10 bis 20 km/h, schneller geht nicht wegen der Schlaglöcher. Alles sandig und staubig, überall Müll, Esel an den Straßen, Hunde laufen umher, es riecht teilweise ekelig. Kinder und Erwachsene urinieren überall hin. Ich schnall mich vorschriftsmäßig an wie in Deutschland und werde angeschmunzelt: Hier brauch man das nicht!
Wenn man in dem Armenvierteln Geld hat, dann hat man eine kleine Hütte, etwa
5 Quadratmeter groß, und hat irgendwann vielleicht z. B. 8 verschiedene Autoteile gefunden, da macht man ein Geschäft auf und wartet den ganzen Tag bis jemand kommt. Kinder spielen mit Autoreifen. Wir sind das einzigste Auto in dem Viertel. Überall ruft es: „Nassara, Nassara!“ Die Kinder winken und sind aus dem Häuschen, mich zu sehen. Dann winke ich den Kinder zu und sie bekommen ein Lächeln auf den Lippen und mir geht das Herz auf. Frauen haben ihre Kinder auf den Rücken geschnallt. Kinderwagen gibt es hier nicht. Tuch um den Bauch, Kind auf den Rücken und los geht’s. Frauen tragen Sachen auf dem Kopf. Papuo hupt, die Frauen weichen zur Seite.
Nach 15 Minuten angekommen. Der Platz ist riesig. Am Rand Lehmhütten, Kinder spielen mit Eseln und Ziegen. Kinder verkaufen kleine Tüten mit Wasser. Ich lehne ab, trinke nur Wasser aus Plastikflaschen. Frauen sitzen unter Bäumen und kochen. Die Sonne brennt. Kleine Kinder laufen umher. Mofas fahren mit Getreidesäcken umher. Das Gesundheitszentrum in Boulmiougou, wo ich arbeite, ist abgezäunt, ungefähr so groß wie ein Fußballfeld. Links ein Gebäude und rechts ein Gebäude. In der Mitte steht ein Auto (eine Ente), rechts am Toreingang ist der Parkplatz für die Mofas. Ganz links steht ein Haus, das soll das Labor werden. Viele Bäume drum herum. Wir gehen in das rechte Hauptgebäude. Eine Veranda dient als Wartezimmer, dann komme ich in das Visitenzimmer. Ein Tisch, 3 bis 4 Krankenschwestern sitzen drum herum. Links eine ältere Schwester, die Oberschwester schätze ich, daneben
2 andere, die in einem Buch aufschreiben, warum die Patienten kommen – den Namen, die Therapie, das Alter, das Geschlecht, die Medikamente, die sie bekommen. 2 Stühle vor dem Tisch, wo die Patienten Platz nehmen. Teilweise werden parallel 2 verschiedene Patienten drangenommen (keine Privatsphäre). Nebenbei kommen noch andere in den Raum und haben Fragen. Die Tür steht immer auf.
Jeder der kommt, muss Fieber messen. Der erste Patient hat 39 Grad, Diagnose Malaria. Den Menschen sieht man an, dass sie Malaria haben. Ich erlaube mir, vorab eine Diagnose zu stellen, und liege oft richtig. Malariaprophylaxe in Tablettenform für das Anfangstadium und dann die Infusionstherapie für das vorgeschrittene Stadium. Ein Patient hat Gliederschmerzen, er krümmt sich vor Schmerzen, schmeißt sich auf den Boden. Er bleibt liegen und muss warten, bis er auf die Liege kann, um die Infusionstherapie zu bekommen. Es geht ihm richtig schlecht und mir tut er leid. Er ist 24 Jahre, sieht aus als wäre er 20 Jahre. Wir gucken uns die Infusionstherapie an. Dann kommt er in ein Zimmer, wo 7 Betten aus Deutschland stehen. Ich gehe mit in das Zimmer und schlucke, wie dreckig die sind. Die Menschen bringen Decken mit von zu Hause und legen sie auf die Matratzen. Wer keine hat, hat  Pech gehabt, und legt sich so drauf. Alle Türen stehen offen. Man hört Hähne krähen. Die Patienten bleiben 4 Stunden an der Infusion liegen und bekommen dann noch eine andere Infusion für 12 Stunden. Die Angehörigen bleiben die ganze Zeit dabei. Es gibt für die Krankenschwestern einen Schichtdienst: Frühdienst beginnt um 8 Uhr bis 1 Uhr, dann die  Ablösung von 2 anderen Schwestern bis 5 Uhr und dann der Nachtdienst bis morgens (2 Schwestern pro Schicht).

Handy und Internet
Wir fahren mit Papuo in die Stadt. Er managt alles für mich. Vor einem Handyladen warten einige Männer, die etwas verkaufen wollen: Taschentücher, Handykarten und Süßigkeiten. Die Männer sehen uns und stürzen sich regelrecht auf uns. Gut, dass Muriel und Papuo (meine „Bodyguards“) bei mir sind. Der Handyladen ist pink gestrichen und es arbeiten nur Männer darin. An den Wänden hängt kitschige Weihnachts-Deko (Nikoläuse, goldene Kugeln). Ich muss schmunzeln. Man muss eine Nummer ziehen – außer wir. Wir gehen durch, warten kurz und werden dann dran genommen. Der ganze Wartebereich sitzt voll. Mir ist das peinlich, dass wir nicht warten wie die anderen. Die denken sicher auch: Die Europäer! Nach kurzer Zeit habe ich Internet und eine neue Handynummer. Ich freue mich, endlich nach Hause schreiben zu können, doch wie sich rausstellt, ist der Internet-Stick defekt. Deswegen hab ich einige Tage kein Internet über meinen Laptop. Ich habe für umgerechnet 7,50 Euro eine Handykarte. Die soll ein paar Monate reichen, wird mir gesagt. Ich denke nur, wir schauen mal, aber bei mir reicht das nicht!

Lebensmittel einkaufen
Ich benötige Lebensmittel, also geht’s zum Marina-Market, einem europäischen Supermarkt in der Stadt. Der Betreiber ist ein hellhäutiger Libanese. Mit der Mofa von zu Hause 15 bis 20 Minuten entfernt. Man darf nur ohne Taschen in den Laden. Wir hinein und ich fühle mich wie in Deutschland – einfach cool. Milka-Schokolade, Uncle-Bens-Reis, Palmolive-Duschgel, Nesquick, Coca Cola, Cornflakes, Danone-Joghurt, und bei mir geht das Herz auf. Ich weiß gar nicht, wo ich zuerst hingehen soll (fühl mich wie ein kleines Kind, Papuo und Muriel lachen über mich). Papuo will übrigens meine Taschen tragen, das lehne ich ab.

Erstes Wochenende in Ouagadougou
In Deutschland hätte ich arbeiten müssen oder wäre feiern gegangen. Aber hier fällt der Wochenenddienst weg und somit habe ich viel Zeit. Samstagmorgen ging’s in die Stadt. Mittag gegessen. Danach Mittagschlaf wie jeden Tag, das bin ich nicht gewöhnt. Das 2 mal 1.40 Meter große Bett sieht aus wie ein Himmelbett mit Moskitonetz. Nach 2 Stunden schlafen geht’s zum Chor – in einer Kirche, in der mein Gastvater Pfarrer ist. 3 Stunden singen und Musik spielen.
3 Stunden! Ok, los geht’s. Die 3 Stunden gingen so schnell um, oh mein Gott. Und so was von schön, so was hab ich in Deutschland noch nicht gehört. Der Chor hat viele junge Leute zwischen 20 und 30 Jahre. Alle haben mich nett begrüßt, versuchen, deutsch zu sprechen. Musikinstrumente wie in Deutschland: E-Gitarre und Keyboard, Schlagzeug – zwar ein bisschen runtergekommen aber funktionstüchtig. Nach 3 Stunden werden wir abgeholt. Der Chor übt in der Kirche. Die Kirche ist eine riesige Halle mit Bänken und Stühlen. In der Mitte kein Altar sondern ein Pult und Tisch mit mehreren riesigen Sitzen für die Pastoren. 6 bis 8 Stühle stehen da sicher, sehen aus wie im Dom. Alles sehr staubig und an der Decke circa 20 Ventilatoren sonst kann man es auch nicht aushalten. Samstags treffen sich alle Altersklassen und singen und spielen zusammen zu bestimmten Zeiten. Abends isst die ganze Familie und es gibt Pommes und Reis. Dann schauen wir zusammen Fernsehen, französische Sender. Ich versuche zu folgen.
Sonntagmorgen um 8 Uhr in die Kirche, 2 Stunden dauert die hier. Nicht zu vergleichen mit Deutschland, die beten und meditieren und singen so viel und so schön. Ich bin fasziniert. Denke an zu Hause während des Gottesdienstes. Jede der unterschiedlichen Gruppen singt etwas vor. Die kleinen Kinder, die Schulkinder und die Jugendlichen und der Chor. Einfach super! Dann kommt mein Part: Ich muss mich vorstellen. Die Kirche ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Ich nehme meinen Mut zusammen und kriege ein Mikro und stelle mich vor. Ich werde willkommen geheißen und gefragt, ob ich verheiratet bin. Bei der Kollekte spendet jeder etwas, selbst die ganz Kleinen. Kenne ich von Deutschland nicht. So viele junge Leute in der Kirche, 50 bis 60 sind es sicher. Nach der Predigt von meinem Gastvater Philippe Ouedraogo ist der Gottesdienst vorbei. Draußen sind es um 10 Uhr 30 Grad sicher! Jetzt geht’s ans Händeschütteln. Jeder möchte mir seine Hand geben. Auch kleine Kinder kommen und schütteln mir die Hand. Danach fahren wir zu Bekannten der Familie, um ein Baby anzuschauen, haben aber erst Probleme, das Haus zu finden. Meine Gastmama wusste es nicht mehr so genau und ich fand, es sah alles gleich aus. Lehmhütten und überall rostige Türen, auf der Straße Kinder, die mit alten Fahrradreifen spielen. Hier oder da mal ein grüner Busch und dann die staubige Straße mit den riesigen Schlaglöchern. Und in der Mitte der Straße wachsen Büsche oder liegt Abfall. Endlich gefunden, alle rein ins Haus. Sieht ganz vornehm aus (hätte ich nicht gedacht). Afrikanische Begrüßung und schon sitze ich auf dem Sofa und habe das Kind in den Armen. Es ist sehr süß – glatt zum Mitnehmen. Dann geht’s zum Mittagessen zu uns nach Hause.

Mit Prominenten im Konzert
Am Nachmittag geht’s zum Konzert. Mein jüngerer Gastbruder Stefan trommelt mit. Muriel und ich fahren mit unserem Gastvater los mitten in die Stadt (hier gibt es asphaltierte Straßen und Bürgersteige). Dann ins vornehme Viertel, links und rechts Privatschulen und Ministerien. Es sieht aus wie in Deutschland, Fünf-Sterne-Hotels und alle Banken. Ich komme  aus dem Staunen kaum raus. Bei einer riesigen Halle angekommen, werden wir von Security-Leuten abgeholt. Ich denke mir noch nichts. Es geht durch den VIP-Eingang in einen Vorraum. Wir warten. Ich wundere mich. Dann füllt sich der Raum. Ungefähr10 Leute kommen rein. Ich höre von Muriel: „Important Person.“ Eine Dame kommt auf mich zu und fragt, ob ich Schwedin sei ich verneine und sie fragt ob ich verheiratet bin? Ich verneine wieder (die Dame war eine Ministerin oder Präsidentin des Roten Kreuzes.) Dann begrüßt mich der Organisator und mir wird ganz schlecht. Nachdem ich die Präsidenten der Universitäten begrüßt habe, geht es in die Halle. Wir gehen über die Bühne und ich ahne, dass ich vielleicht nicht in der letzten Reihe sitzen werde, sondern in einer der ersten. Halle ist gefüllt, der Organisator führt uns in den VIP-Bereich, alle Leute gucken. Wo nehme ich Platz? Einfach Muriel hinterher und dann sitze ich mit den wichtigen Leuten in Ledersesseln. Erst dann wird mir bewusst, dass das kein Schul- oder Kirchenkonzert üblicher Art ist. Dann kommen das Fernsehen und das Radio und lauter Kameraleute und filmen. Da macht’s bei mir klick. Ich sitze bei den Prominenten der Stadt. Schön lächeln, denke ich, kriege Getränke gereicht, und dann  begann das Konzert.
Unbeschreiblich gut, fantastisch: 4 verschiedene Bands mit 10 Leuten singen die gleichen Lieder mit verschiedenen Darbietungen. Die Gruppe von meinem Gastbruder gewinnt. Alles so verrückt. Und bin total beeindruckt.

Ich bin froh, dieses Abenteuer begonnen zu haben und  hier zu sein und die vielen unvergesslichen Eindrücke mitzunehmen! Nach 10 Tagen fühle ich mich hier sehr wohl und schätze die Gastfreundschaft der vielen Menschen. Irgendwie komisch. Ich gehöre quasi schon zur Familie Ouedraogo. Und manchmal kommt es mir vor, als wäre es ein Traum, hier zu sein! Ich lebe von einem in den anderen Tag und so funktioniert es super. Heute Abend bekomme ich quasi den Rest der Regenzeit mit! Ich genieße den Regen! Die Afrikaner holen jetzt ihre Winterjacken raus.

Viele, liebe Grüße aus Burkina Faso (Ouagadougou) sendet euch Christina oder auch von vielen Nassara genannt (oder auch mal Catharina).




2. Bericht: 26. Oktober 2010

Eindrücke von meinem Arbeitsplatz
Bonjour! Wie ich schon beschrieben habe, ist das Gesundheitszentrum in einem sehr armen Viertel. Es heißt Zongo und ist ein kleiner Teil von Boulmiougou, einem Stadtteil von Ouagadougou. Das Gelände, auf dem das Gesundheitszentrum steht, ist abgezäunt und ungefähr so groß wie ein Fußballfeld. Es stehen 3 Gebäude darauf: ein Labor, eine Krankenstation und ein Haus für die Geburtshilfe. Man fährt auf das Gelände durch ein großes Tor, das immer offen steht. Auf dem Gelände stehen viele Bäume und Sträucher. Am Eingang rechts ist ein riesiger Baum, darunter eine Sandfläche, die als Mofa-Parkplatz dient. Eine Frau sitzt den ganzen Tag unter dem Baum und verdient sich ihr Geld mit Parkplatzgebühren.

Das rechte Gebäude hat 7 Räume. Vor dem Haus eine amerikanische Veranda. 2 Bänke stehen dort, dient als Warteraum. Es sind immer viele Fliegen dort. Die Menschen, die zu uns kommen sprechen fast nur Mooré, wenige Französisch. Zum Labor: Das Gebäude ist fertig gebaut, leider nicht im Betrieb, da die zuständige Behörde noch nicht ihr ok gegeben hat. Wir warten. Auf dem Gelände gibt es einen Krankenwagen.

Man kommt in den ersten Raum herein, ein 15 Quadratmeter größer Raum in der Mitte ein Pult, dahinter stehen 4 Stühle, dort sitzen die Schwestern immer, davor meistens 2 Stühle da nehmen die Patienten Platz. Die Stühle sind rostig und kaputt. Auf dem Tisch liegt ein DIN-A-4-Heft, dort werden die Daten handschriftlich eingetragen: Name, Alter, Geschlecht, Krankheit, Therapie, und die Patienten bekommen, nachdem die Diagnose gestellt wurde, einen kleinen Zettel, auf dem ihr Name und die verordneten Medikamente stehen. Darauf ist auch ein Stempel. Damit gehen sie dann in die Apotheke und kaufen die Medikamente. Jeder, der zu uns kommt muss einmal Fieber messen. In Deutschland messen wir Blutdruck und Puls, das wird hier nicht gemacht. Blutdruck messen kostet umgerechnet 30 Cent. Manche haben noch nie ein Thermometer gesehen und wissen nicht, wie sie es anwenden müssen. Das ist schon schlimm. Einige wissen noch nicht mal, wie alt sie sind.

Keine Privatspähre
Beispiel von einem Tag: Wir behandeln gerade einen Patienten, fragen nach den Beschwerden, da kommt schon der nächste rein und hat Fragen zu seinen Medikamenten. Der dritte kann sich kaum auf den Beinen halten, weil er so schwach ist und will zur Liege in dem Nachbarraum, schafft es nicht, legt sich auf den Boden und übergibt sich. Dann kommt der Angehörige von dem und wischt nebenbei noch den Boden und dann kommt das Kind des Patienten, den wir gerade behandeln, weinend angelaufen, so ist der Raum voll. Oder es wartet jemand auf seine Injektion und es kommt jemand, dem es schlechter geht und dann muss der andere warten und Platz machen. Nebenan hat gerade jemand seine Hose heruntergezogen, weil er eine Injektion bekommt und draußen auf der Bank sitzt eine stillende Frau, die das ganze beobachtet. An den Wänden hängen Aufklärungsplakate über AIDS. Andere Plakate werben dafür, Toiletten zu benutzen und nicht im Freien zu urinieren.

Unter dem Dienstplan am Schwarzen Brett hing diese Woche eine Todesanzeige auf Papier geschrieben. Wer wann gestorben ist und wann die Beerdigung ist. Der Mann war ungefähr 30 Jahre alt. Letzten Freitag war er bei uns gewesen mit der Diagnose AIDS. Wir konnten ihm nicht helfen und er sollte ins Stadtkrankenhaus fahren, er hat sich geweigert und ist nach Hause gegangen. Oft musste ich an diesen Mann denken, er war total dünn, man konnte überall seine Knochen sehen, er hat so schwer geatmet und wurde gestützt von seiner Familie. Und diese Woche hing sein Name an dem Brett. Beerdigung war am gleichen Tag. Gleich mittags.

Im nächsten Raum steht in der Mitte eine Liege. Da legt sich jeder Patient drauf und eine Schwester legt einen Zugang (eine Nadel in die Vene), darüber bekommen die Patienten die Infusionsflüssigkeit. Eine Arbeitsfläche ist dort gefliest, dort wird alles zubereitet. Die Instrumente liegen bereit. 3 Infusionsständer stehen in dem Raum. An den Wänden Aufklärungsplakate. Der Raum dient als Durchgangszimmer. In einem weiterem Raum, gleich nebenan, stehen 9 Betten, dort legen die Patienten sich hin und bekommen die Infusionen über mehrere Stunden. Das ist in 2 Etappen aufgeteilt. Beispiel: Ein Patient kommt morgens und hat die Diagnose Malaria (schwere Form), dann bekommt er eine Infusion. In der Flüssigkeit sind Mittel zum Fiebersenken und gegen Malaria. Meist dauert die Therapie 10 Stunden. Kommt der Patient um 10 Uhr morgens, geht er um 20 Uhr nach Hause und wenn er um 1 Uhr mittags kommt geht er um 23 Uhr in der Nacht. Wenn die Infusionen angeschlossen wurden, dann  geht es für den Patienten in den Bettenraum, so nenne ich ihn mal. Darin sind 9 Betten, an  jedem Bett ein Haken für die Infusionen. Es gibt keine Bettwäsche und keine Spannbettlaken. Die Angehörigen bringen Tücher von zu Hause mit oder wer keines hat, legt sich so auf die Matratze. Die werden nicht desinfiziert.

Überfüllte Räume, schlechte Luft
An einem Tag waren alle 9 Betten belegt mit Patienten, draußen waren es 35 Grad, keine Klimaanlage. Jeder der 9 Patienten hatte Besuch. Insgesamt waren in dem Raum 27 Personen, die wie jeder bei dem heißen Wetter schwitzen. Also es roch nach Schweiß, nach Essen, ein Patient hatte sich übergeben, es liefen Hühner in dem Zimmer und ein kleines Kind hatte sich eingenässt. Vielleicht kann der eine oder andere sich vorstellen, wie es gerochen hat. Ich habe versucht, so wenig wie möglich zu atmen.

Draußen sind Plumpsklos für die Patienten. Die Schwestern haben eine Toilette im Nachbargebäude ohne Spülung, man geht mit einem Eimer Wasser zur Toilette. Manchmal geht es zu, wie auf einem Bauernhof: Ziegen, Hühner, Hunde, Schafe, Schweine oder auch mal ein Esel kommen vorbei  Mäuse und Salamander habe ich noch vergessen. Das stört aber keinen. Oft versuche ich das  Alter der Menschen zu schätzen, dass geht nicht! Es sind oft alle unterernährt. Ich liege oft 2 bis 3 Jahre unter dem Alter. Die meisten Patienten sind zwischen einem Monat und 30 Jahren, ganz selten mal einer, der Mitte/Ende Dreißig oder älter ist. Über 53 Jahre habe ich noch nicht erlebt.

Kampf gegen Malaria
Im Monat September hat die Krankenstation 1687 Patienten versorgt. Hauptdiagnose war Malaria mit etwa 80 Prozent. Dann kommen Wundversorgung und 18 Frauen haben ein Kind bekommen. Ich hatte oben schon mal das Buch erwähnt, das wird am Ende des Monats zum Gesundheitsminister in die Stadt gegeben, damit er einen Überblick hat, wie viele Malaria-Patienten wir hatten und wie viele Kinder geboren wurden (für die Statistik). An einem Morgen Anfang Oktober hatten wir 30 Patienten zu versorgen, das ist sehr viel. Von den 30 Patienten hatten 26 Malaria. (die schwere Form). Mit Infusionen wurden die behandelt, wir hatten kein freies Bett mehr. 4 Patienten hatten Schürfwunden. An einem Tag versorgen wir 20 bis 30 Patienten und mehr. Wenn es regnet, kommt keiner.

In der Krankenstation gibt es keinen Arzt. Die Schwestern entscheiden selber, je nach Grad ihrer Ausbildung und Erfahrung dürfen sie entscheiden, Infusionen zu geben, Wunden zu nähen oder Kinder auf die Welt zu bringen. Das alles gehört zur Aufgabe einer Krankenschwester.
Wenn ein Kind geboren wurde, kommen sofort die Freundinnen und die Frauen aus dem Dorf, um das Kind zu begutachten. Männer habe ich noch nicht dabei gesehen. Und die Frau kann mit ihrem Neugeborenen am gleichen Tag noch nach Hause gehen. Circa 4 bis 5 Stunden später. Die Frauen bekommen wie in Deutschland ein Heft für die Kinder, wo die wichtigsten Daten eingetragen sind und die U1- bis U5-Vorsorgeuntersuchungen eingetragen werden. Daran müssen sie teilnehmen. Jeden Mittwoch sind für die Frauen und ihre kleinen Kinder diese Untersuchungen – mit Wiegen, Vermessen, und Fragen werden beantwortet und Impfungen werden verabreicht. Die Untersuchungen finden draußen auf einer großen Terrasse statt und die Termine sind immer gut besucht, meistens 20 Frauen mit ihren kleinen Kindern bis zum 2. Lebensjahr.

Kinder bekommen Kinder
Die Zahl der Kinder in Burkina Faso ist sehr hoch! Es gibt viele Moslems in dem Viertel. Die Frauen bekommen oft schon mit 15 oder 16 Jahren ihr erstes Kind und haben oft ältere Männer. Manchmal kommen 20- jährige Frauen, die schon 2 Kinder haben und mit dem dritten schwanger sind. Kinder bekommen Kinder. Hier ist das wirklich so. Mir wurde erklärt, dass Kinder der einzige Reichtum in dem Viertel sind. Viele fangen früh an, egal ob Leute genügend Geld haben, es zu versorgen oder nicht. Viele sind nicht verheiratet oder haben sehr früh geheiratet. Bei jungen Frauen ist es schwer zu erkennen, ob sie Malaria haben oder schwanger sind, wenn sie Bauchschmerzen haben und ihnen übel ist. Dann geht es in die Geburtshilfe und oft ist der Schwangerschaftstest positiv. Nebenbei haben viel auch Malaria. Sie nehmen dann nur Tabletten und bekommen keine Infusionen. Ich habe noch nie so viele Kinder oder Schwangere gesehen!

Die Kinder werden anders erzogen als deutsche Kinder, habe ich beobachtet. Oft haben die Frauen einen Stock in der Hand und wenn die Kinder weinen, dann kommt der Stock zum Vorschein und das Kind ist ruhig. Kinder, die Infusionen oder Spritzen bekommen, weinen
oft, ich finde es verständlich. Da wird kein behutsames Wort an den Tag gelegt, sondern die Kinder werden auf die Liege gelegt mit vier Leuten festgehalten und eine Schwester gibt die Spritze. Die Kinder schreien laut. Oft gib es von der Schwester zur Belohnung noch ein Klaps auf den Po! Oder kleine Kinder weinen, weil sie Angst haben vor dem Fiebermessen, weil das neu ist. Den Kindern wird das nicht erklärt, sondern das Thermometer wird ihnen unter den Arm gelegt und das Gebrüll ist groß. Kleine Kinder werden dann immer gestillt zur Beruhigung und dann ist Ruhe oder die Schwester holt einen Metallstab raus und wedelt damit in der Gegend, dann ist auch Ruhe. Deutsche Kinder werden dagegen wirklich behutsam erzogen! In der Regel ist es auch so, dass Kinder alleine kommen, oder mit ihren jüngeren Geschwistern.

Bevor Patienten zu uns kommen, müssen sie in der Apotheke ein Ticket kaufen für umgerechnet 25 Cent. Die Apotheke ist mit im Gebäude. Die Medikamente werden von einem Mann verkauft. Der führt genau Buch, was er verkauft. In der Apotheke bekommt man die wichtigsten Medikamente. Jede Woche fährt ein Mitarbeiter zum Gesundheitsministerium in eine riesige Apotheke, die liegt mitten in der Stadt, und kauft für eine Woche Medikamente für circa 600 Euro. Einen Lagerraum gibt es neben dem Apothekenraum.

So sind die Preise in der Apotheke: 20 Tabletten Amoxicillin (ein Antibiotika) kosten 1,50 Euro, 5 Tabletten Diclofenac (Schmerztabletten) kosten 1 Euro, ein Pflaster kostet 30 Cent, 1 Paar Handschuhe 15 Cent, die Infusionstherapie für Malaria 12 Euro und Tabletten für Malaria 3 bis 5 Euro. Auf dem Ticket steht dann der Name und ist der Beleg, dass sie das Geld bezahlt haben. Oft haben die Leute nicht das Geld dafür. Das ist schon erschreckend. Dann werden die Medikamente geändert, so dass die Leute sich das leisten können. Viele Patienten sagen, dass sie die Infusionstherapie nicht wollen. Oft haben sie aber über 40 Grad Fieber und es würde besser helfen, aber das Geld fehlt. Dann nehmen sie die Tabletten und ein paar Tage später kommen sie wieder und nehmen doch die Infusionstherapie, weil es so schlimm geworden ist. Gestern hatte eine ganze Familie Malaria. Die kamen mit 4 Personen auf einem Roller angefahren und konnten sich kaum auf den Beinen halten. Letzte Woche kam ein Patientin mit einer Schnittwunde, leider hatten wir kein sauberes Besteck mehr, so musste sie wieder nach Hause gehen und am nächsten Tag wieder kommen. Die Wunde war total entzündet und eitrig, das hätte eigentlich sofort gemacht werden müssen. Die Instrumente (also die Scheren und die Pinzetten) werden in heißem Wasser gereinigt und zum Trocknen in die Sonne gelegt. Sie sehen sehr rostig aus.

Ausfegen mit dem Baby auf dem Rücken
Morgens kommen immer 2 Frauen, die die Gebäude ausfegen und wischen und die Instrumente reinigen. Hut ab vor den Frauen!  Beide Reinigungsfrauen haben Kinder und die werden mitgebracht, mit einem Tuch auf den Rücken geschnallt und es wird sauber gemacht. Oder die Nachtwache hat ihr Kind mitgebracht und legt es in ein Bett und sie arbeitet und morgens geht es nach dem Stillen nach Hause. Die Schwestern putzen nicht, das ist nur die Aufgabe der Reinigungskräfte. Wenn sich jemand übergeben hat, dann machen das die Angehörigen weg oder es kommt die Reinigungskraft. Wir Schwestern haben keine Desinfektionsspender wie in Deutschland sondern waschen uns mit Gallseife die Hände, nach Möglichkeit nach jedem Patienten.

Der Müll, der entsteht, also die Spritzen und die schmutzigen Verbände, werden verbrannt. Dafür gibt es extra eine Feuerstelle hinter dem Gebäude, eine der Nachtschwestern macht das morgens ganz früh.  Elektrizität gibt es bedingt. Nachts wenn man Glück hat ja, ansonsten stehen einem kleine Petroleum-Leuchten zur Verfügung. So muss man dann versuchen, eine Nadel in die Vene zu legen. Urlaub gibt es für die Schwestern nicht! Sie arbeiten in drei Schichten: Morgens von 8 bis 14 Uhr, nachmittags  von 14 bis 20 Uhr und nachts von 20 bis 8 Uhr morgens (nachts ist auch ein Wächter da). An den Wochenenden wird auch gearbeitet. Am Sonntag sind 2 Schwestern den ganzen Tag im Dienst, von Montag bis Samstag je zwei Schwestern morgens, nachmittags und nachts, eine für die normalen Patienten und eine für die Geburtshilfe.

Ein unglaublicher Vorfall
Vorigen Freitag kommt ein Motorrad mit drei Leuten auf das Gelände gefahren, zwei Männer und ein Mädchen. Das Mädchen hatte offenbar Malaria und war nicht mehr ansprechbar, es hat schwer geatmet und musste auf die Liege getragen werden mit hohem Fieber. Nachdem die Diagnose Malaria feststand, haben wir eine Infusionstherapie verordnet, doch der Vater und der Bruder haben das abgelehnt. Es gab eine Diskussion zwischen Schwestern und Angehörigen. Dann fuhr der Bruder nach Hause und kam mit einem weiteren Mann wieder zurück. Erneute Diskussionen und großer Trubel. Das Mädchen zitterte am ganzen Körper und musste sich übergeben. Dann kam ein weiterer Mann. Nun standen 4 Männer um das Mädchen und haben sich auf Mooré beratschlagt. Dann geschah etwas Merkwürdiges. Die Männer haben jeweils eine Hand an das Mädchen gelegt und richtig festgehalten. Ein Mann war ein Geistlicher und fing an zu beten – hektisch, panisch, insgesamt sehr heftig. Die Männer haben auf das Kind in einem Wahn eingeredet, wie man das nur von Sekten kennt. Das Mädchen spuckte Speichel und zuckte am ganzen Körper, so als hätte es einen schlimmen epileptischen Anfall oder als hätte es einen starken Stromschlag bekommen. Die Männer haben den Körper des Mädchens immer wieder auf die Liege gedrückt.  Die Schwestern und ich standen am Rand und mussten tatenlos zusehen. Ich konnte gar nicht immer hinsehen. Das sah irgendwie aus wie eine Teufelsaustreibung. Nach 10 bis 15 Minuten war das Geschehen vorbei und das Kind kam zur Ruhe. Nach 5 Minuten sprach ein Mann leise zu ihr und das Kind stand auf und sprach, hatte kein Fieber mehr und ging alleine aus dem Raum und fuhr nach Hause. Ich und die Schwestern waren schockiert und konnten nicht glauben was wir da gesehen haben.

Viele, liebe Grüße aus Ouagadougou sendet Euch Christina!




5. Bericht: 9. Januar 2011

Weihnachten und Silvester in Burkina Faso bei 35 Grad
Ich werde in diesem Bericht beschreiben, wie man Weihnachten und Silvester in Afrika feiert und wie ich es erlebt habe. Heiligabend tagsüber tätigt jeder seine letzten Einkäufe und trifft die letzten Vorbereitungen, wie man es aus Deutschland kennt, aber ohne Stress! Auf den Straßen waren viele Hühnerverkäufer mit ihren Mofas oder Autos unterwegs, um noch Ihr Geschäft zu machen. Huhn ist hier Festessen! Mir wurde gesagt, dass Hühner zu Weihnachten teurer gehandelt werden. Viele muslimische Frauen waren auf der Straße in Gruppen und haben auf den Köpfen riesige Schüsseln getragen mit Essen. Die treffen sich vor den Festtagen und kochen zusammen und gehen dann zur Moschee. Jeder geht am 24. Dezember noch einmal zum Friseur und holt sein neues Kleid für die Festtage ab. Es ist hier üblich, an jeden Festtag ein neues Kleid zu tragen.

Bei meiner Gastfamilie gab es keine Weihnachtsdekoration, bei anderen Familien gab es Girlanden in bunten Farben. Auf der Straße waren viele Krippen zu sehen, die bauen die Eltern mit ihren kleinen Kindern und malen sie dann an. Ja und an den Weihnachtstagen war es (wie schon seit zwei Wochen nicht mehr) sehr warm. Weihnachten bei 35 Grad.
Die Kirche begann abends um 19 Uhr für die ganz kleinen Kinder. Dann war jede Stunde ein anderes Programm für eine andere Altersklasse. Um 19 Uhr für die ganz Kleinen, dann für die Sechs- bis Zehnjährigen, danach für die 11- bis 17-Jährigen und dann für die Erwachsenen.
Die Kinder hier haben so etwas wie ein Krippenspiel vorgeführt. Die Weihnachtsdekoration in der Kirche bestand aus einem kleinen künstlichen Tannenbaum mit einer blinkenden Lichterkette in den Farben pink, gelb und blau. Es hingen auch mehrere Girlanden in bunten Farben an den Wänden in der Kirche. Die Jugendlichen haben ein Lied im Kerzenschein gesungen und es war ganz dunkel in der Kirche, da kam bei mir das erste Mal Weihnachtsstimmung auf.
Um 21 Uhr begann eigentlich der richtige Gottesdienst, es wurde viel getanzt und gesungen. Die Kirche war sehr voll. Um 1 Uhr nachts war der Gottesdienst zu Ende und alle haben sich frohe Weihnachten gewünscht. Danach ging es nach Hause und die ganze Familie hat zusammengegessen. Es war ungefähr 1.30 Uhr. Festessen: Huhn mit Reis!

Am 1. Weihnachtstag war kein Gottesdienst. Für meine Nachbarn war es ein ganz gewöhnlicher Tag, die haben ihre komplette Wäsche gewaschen und auf der Mauer trocknen lassen und andere haben ihre Autos gewaschen. Mittags haben wir mit der Familie zusammengesessen und es gab Pizza und Pommes mit Salat. Nachmittags kamen dann viele Leute, um die Familie zu besuchen oder man besucht Freunde. Abends geht man zum Weihnachtstanz. Geschenke gibt es nicht, weil es wichtiger ist, dass jeder etwas zu essen hat und die Familie zusammen ist!
Am 2. Weihnachtstag kamen nachmittags wieder viele Besucher, auch viele aus der Kirchengemeinde, nicht wie in Deutschland nur die Familie. Weihnachten ist in Burkina Faso eher ein Fest mit den Freunden!
Silvester ging es um 20 Uhr in die Kirche, es wurde viel getanzt und gesungen. Eine Band hat gespielt und ein Chor gesungen. Die Lichterkette des Tannenbaums wurde als Altardekoration umfunktioniert. Der Altarbereich war mit vielen Tüchern in den Farben Lila und Weiß geschmückt. Die Kirche war bis auf den letzten Platz besetzt. Auch kleine Kinder und viele Jugendliche waren da. Es mussten dann alle nach vorne kommen, die geheiratet haben und ein neues Auto oder einen neuen Roller bekommen haben, und dann wurde für sie gebetet. 20 neue Gemeindemitglieder haben eine Bibel auf Mooré und Französisch bekommen.
Um 1 Minute vor 0 Uhr ist Philippe Ouedraogo als Pastor an das Mikro gegangen und hat ein frohes neues Jahr gewünscht. Danach, genau um 0 Uhr fing die Band an zu spielen und alle Leute waren völlig aus dem Häuschen, haben gewunken und die Jugendlichen sind angefangen zu tanzen und die Älteren auch. Es war keiner mehr auf seinem Platz. Viele traditionelle Tänze, und selbst die Pastoren haben ausgelassen getanzt. Das ging 15 Minuten ohne Pause, es war als hätten alle im Lotto gewonnen. Es war gigantisch, da es vor 0 Uhr total still war.
Nachdem der Gottesdienst zu Ende war, wurde jedem ein frohes neues Jahr gewünscht, und es waren nicht wenige in der Kirche.
Hier wird das traditionell gemacht, indem man dem anderen seine rechte Hand gibt und dann deutet man zunächst mit der rechten Seite seines Kopfes an der linken Seite seines Gegenübers oberhalb des Ohres einen Kuss an und dann rechts, links, rechts, links und währenddessen wünscht man Gesundheit, Glück, viele Inspiration.
Und wenn man mit dem Wünschen fertig ist, gehen die Jugendlichen feiern oder sitzen mit der Familie gemütlich zu Hause. Raketen habe ich keine gesehen und das Knallen von Böllern habe ich auch nicht gehört! In der Innenstadt von Ouagadougou hat es aber ein Feuerwerk gegeben.

Ich wünsche allen ein frohes neues Jahr!




7. Bericht: 5. Februar 2011

Der Kindergarten in Boulmiougou
Das Gelände liegt direkt neben der Schule in Boulmiougou. Auf einer Sandfläche stehen zwei Schaukelgerüste, zwei Wippen und eine Rutsche. Eine große Mauer, zum Teil mit Kindermotiven bemalt, umgibt das Gelände. Links stehen drei Toiletten, zwei für die Kinder, eine für die Erzieherinnen.

Der eigentliche Kindergarten liegt im hinteren Bereich. Von der Spielfläche gelangt man direkt in den Eingangsbereich hinein, das Gebäude hat links und rechts jeweils einen Eingang. Viele Büsche stehen vor dem Gebäude und Bäume bringen ein bisschen Schatten. Von einem Innenhof aus geht man in die Räume. Für die Kinder steht ein großer Krug mit Trinkwasser bereit, an dem sie sich selbst bedienen können. Die Haushälterin des Kindergartens holt aus dem Pumpenbrunnen der benachbarten Schule das Wasser für den Krug. Sie kümmert sich auch um das Essen für die Kinder und um die Reinigung der Räume.

Rechts der erste Raum ist für die  Kindergartenleiterin und dient als Büro. Dort stehen ein Computer und viele große Boxen mit Spielsachen. Die nächsten drei Räume dienen als Spielräume für die Kinder und auf der gegenüberliegenden Seite des Büros ist die Küche. Hier werden Baguettes geschmiert und in einer großen Waschschüssel serviert. Der Milchreis wird schon in kleine Schüsseln portioniert und die Haushälterin geht durch jeden Raum und gibt den Kindern etwas. Die Räume haben jeweils nach außen als auch zum Innenhof Fenster.

Der Kindergarten hat sechs Erzieherinnen, zwei pro Gruppe. Eine davon ist die Leiterin des Kindergartens. Insgesamt gibt es drei Gruppen mit unterschiedlichen Altersklassen. In der ersten Gruppe sind 25 Kinder im Alter von drei Jahren (14 Jungen und 11 Mädchen), in der zweiten Gruppe sind 28 Kinder im Alter von vier Jahren (12 Jungen und 16 Mädchen), in der dritten Gruppe sind 26 Kinder im Alter von fünf Jahren (10 Jungen und 16 Mädchen). Der Kindergarten ist montags bis freitags von 6.30 bis 11.30 Uhr geöffnet.

Blau-weiß karierte Uniformen
Die Kinder werden von den Eltern gebracht und am Eingangstor stehen zwei Erzieherinnen und nehmen die Kinder in Empfang. Fast alle Kinder tragen eine Uniform in blau-weiß kariert. Jeder kauft sich den Stoff und schneidert sich dann individuell etwas aus dem Stoff. Die Mädchen tragen meist Kleider und die Jungen meist Hosen und Hemden. Einige haben auch kein Geld für die Uniform und diese Kinder tragen meist ihre eigenen Sachen. Das sind aber nicht so viele Kinder. Die Erzieherinnen tragen auch Kittel in weiß-blau kariert. Wenn ein Notfall ist, fährt man mit dem Kind in die Krankenstation fünf Minuten vom Kindergarten entfernt mit dem Roller. An meinem zweiten Tag hat sich ein Kind die Nase geputzt und danach das Taschentuch in die Nase gesteckt. Leider haben wir es nicht herausbekommen. Eine Erzieherin musste mit dem Kind ins Krankenhaus. Da war ich für zwei Stunden mit 23 kleinen Kindern im Alter von drei Jahren alleine.

Jedes Kind hat meist eine Kindergartentasche mit Getränken und eine Kleinigkeit zu essen von zu Hause dabei. Im Jahr müssen die Eltern für den Kindergarten pro Kind 105 Euro zahlen, darin ist auch das Essen enthalten. Es gibt jeden Tag um 10 Uhr eine Mahlzeit. Es gibt immer etwas anderes, Baguette mit Thunfisch oder nur mit Butter, mal Milchreis oder Reis mit Salat. Montags und donnerstags wird immer um 8 Uhr, wenn alle Kinder eingetroffen sind, eine halbe Stunde Sport gemacht. Der wird mit allen Altersklassen zusammen gemacht. Danach gehen die Kinder in die Klassen und beten mit den Erziehern und singen Lieder.

Hygiene, Farben und Gemüse: Übungen zu einem Thema
Die Türen stehen immer offen, so dass andere Kinder auch mal reinkommen können aus den benachbarten Gruppen. Die Kinder nehmen an kleinen blauen Tischen und Stühlen Platz (so eine Art Vierertische). Die Kindergartentasche und Jacken werden an einer Leiste, die als Garderobe dient, aufgehängt. Die Kinder sprechen die Erzieherinnen mit „Tanti“ an. Nach dem Singen wird ein Teppich in den hinteren Raum gelegt und die Kinder nehmen darauf Platz und eine Erzieherin bringt ihnen spezielle Sachen bei. Jede Woche hat ein Thema: Farben, Formen, Gemüsesorten. Zum Beispiel Tomaten: Erst sprechen sie darüber und jedes Kind muss das Wort aussprechen und danach können die Kinder eine Tomate probieren. Oder alles, was zur Hygiene morgens dazu gehört. Alle sprechen darüber und anschließend zeigen die Erzieherinnen, wie man sich richtig die Zähne putzt. Es gibt auch Belohnungen. Wenn ein Kind etwas gut gemacht hat, bekommt es etwas Süßes von der Erzieherin.

Viele Kinder können nicht ruhig sitzen und zappeln viel herum. Wenn keiner mehr hören will, dann nimmt die Erzieherin einen Stock in die Hand und deutet nur an zu hauen. Danach ist es ruhig. Jedes Kind hat ein Heft, in dem nach den praktischen Übungen zum Thema gemalt wird. Eine Erzieherin kümmert sich dann um einen Vierertisch, die anderen Kinder können währenddessen spielen.

Um 10 Uhr kommt die Haushälterin mit dem Essen. Vorher waschen sich die Kinder die Hände. Dazu stehen draußen vier Eimer bereit. Wenn die Kinder wieder ihren Raum betreten, können sie sich die Hände abtrocknen. Dann essen die Kinder zusammen und warten bis fast alle fertig sind. Anschließend geht es nach draußen und die Kinder können dort spielen.

Vom gegenüberliegenden Kiosk kommt eine Frau und verkauft typisch afrikanische Getränke und Süßigkeiten. Unter einem Baum nimmt sie immer auf einem Stuhl Platz und bietet ihre Waren den Kindern an. Es haben nicht alle Kinder Geld dabei und somit gibt es oft Neid unter den Kindern, oder sie nehmen einfach etwas von einem anderen Kind weg und so kommt Streit auf.

Nach einer Stunde gehen die Kinder wieder hinein und machen verschiedene Sachen in den Gruppen mit den Erzieherinnen. Es ist immer sehr laut und ein reges Durcheinander. Um 11.30 Uhr ist dann der Kindergarten vorbei. Es wird noch einmal gesungen und die Räume werden aufgeräumt und dann geht es nach draußen. Dort ist im Schatten eine große Decke platziert und die Kinder nehmen Platz und warten bis sie von den Erzieherinnen am Tor aufgerufen werden. Die Eltern warten auf der Straße und nehmen dort auch ihre Kinder in Empfang. Die Eltern betreten das Gelände gar nicht. Meist kommen die Eltern immer pünktlich und holen ihre Kinder ab.

Im Kindergarten wird ausschließlich französisch mit den Kindern gesprochen. Zu Hause lernen die Kinder meist nur Mooré und erst in der Schule Französisch, aber der Kindergarten legt Wert drauf, dass mit Ihnen Französisch gesprochen wird. Die Kinder sprechen wirklich schon gut Französisch. Auf dem Programm stehen auch Ausflüge in Parks und manchmal kommt ein Mann mit Kamelen vorbei.

So bleibe ich bei den Kindern als „Tanti Nasaara“ in Erinnerung.




8. Bericht: 19. Februar 2011

Die Schulen in Boulmiougou
Das Collège, die weiterführende Schule in Boulmiougou, erstreckt sich über zwei Etagen. Auf jeder Etage sind 4 Klassenräume, auf der oberen Etage gibt es eine Veranda, die als Flur für die Klassenräume dient. Über eine Außentreppe geht es ins Obergeschoss.

Die Klassenräume sind alle gleich aufgebaut. Eine Tafel ist an der Front des Klassenraumes in die Wand eingelassen, viele Bänke und Tische stehen in den Räumen, die sehr schlicht gehalten sind.

Es gibt einen Computerraum, in der 2. Etage, dort stehen etwa 20 Computer in einem  guten Zustand. Jede Klasse hat einmal die Woche dort Unterricht, und wenn gerade keine Klasse in dem Raum ist, dürfen die Schüler die Computer auch so benutzen.

Das ganze Gelände ist mit einer großen Mauer eingezäunt. Wenn man am Eingangstor  hineinkommt, dann steht rechts ein kleines Häuschen, darin befindet sich der Direktor und seine Sekretärin und dahinter ein kleiner Raum, der als Lehrerzimmer dient. Die Lehrer sitzen meisten unter einem Baum vor dem Lehrerzimmer. Daneben steht eine große silberne Tafel, die als Infotafel der Schüler dient. Davor stehen die Motorräder der Lehrer. Auf dem Schulplatz stehen viele  Bäume, die Schatten spenden. Auf der gegenüber liegenden Seite steht ein großer Dachüberstand, dort werden alle Fahrräder abgestellt. Einige kommen auch mit dem Roller. Die Fahrräder werden von einem Mann bewacht.
Unter dem Unterstand steht eine Wasserpumpe, die dazu dient, dass die Schüler sich Trinkwasser holen können und dass sie sich nach dem Toilettengang und auch nach dem Sport frisch machen können.

An der Schule sind 320 Schüler: 70 in der 7. Klasse, 64 in der 8., 55 in der 9., 50 in der 10., 27 in der 11., 26 in der 12. und 28 in der 13. In der 7. Klasse sind so viele Schüler, weil das quasi die erste Klasse des Collèges ist. Die Klasse beginnt immer mit vielen Schülern und verliert im Laufe der Jahre Schüler, die nicht mitkommen.
Nach der 10. Klasse wird eine Prüfung abgelegt, um zu schauen, wie der Wissenstand der Schüler ist. Viele schaffen es nicht, so sind in der Oberstufe nur noch an die 30 Schüler. Die Eltern müssen pro Kind im Jahr 120 Euro bezahlen.
Die Eltern, die ein finanzielles Problem haben, bekommen Unterstützung. An der Schule unterrichten 22 Lehrer und ein Pastor.

Das Schuljahr sieht anders aus als bei uns. Es dauert neun Monate von September bis Mai, anschließend gibt es drei Monate am Stück Ferien. Alle drei Monate gibt es Zeugnisse, die Schüler bekommen also drei Zeugnisse im Schuljahr. Die Schüler tragen alle eine Uniform, Blaue Hosen und dazu blau-weiß-karierte Hemden –Mädchen und Jungen, genau die gleichen Farben wie im Kindergarten nebenan. Es werden die Fächer Informatik, Englisch, Mathe, Physik, Chemie, Biologie, Erdkunde, Geschichte, Politik, Französisch, Religion und Sport unterrichtet.

Es gibt eine ungewöhnliche Pausenglocke. Die wird von den Schülern betätigt und sieht nicht so aus wie in Deutschland. Sondern es hängt eine silberne Felge am Baum und ein Schüler betätigt die „Glocke“, indem er mit einem Gegenstand auf das Metall schlägt. In der Schule gibt es elektrisches Licht.

Die Unterrichtszeiten
Der Unterricht beginnt um 7 Uhr und die erste Stunde geht bis 9 Uhr. Dann  gibt es einen kurzen Lehrerwechsel und  die nächste Stunde geht bis 10 Uhr, anschließend eine längere Pause von 30 Minuten. Dann wird bis 12 Uhr durchgezogen, danach gehen die Schüler nach Hause und essen. Die Schüler, die einen zu weiten Weg haben, bleiben in der Schule. Und dann geht es von 15 bis 17 Uhr weiter. Wenn die Lehrer die Räume wechseln, gibt es immer Schüler, die dem Lehrer die Tasche tragen wollen, weil das so Sitte ist. Selbst mir wurde die Tasche getragen. Oder es drängeln sich alle darum, die Tafel zu putzen. Aus meiner Schulzeit kenne ich das nicht so. Lehrer sind hier sehr hoch angesehen.

Gegenüber der Schule ist ein kleiner Kiosk, der auch als Schulkiosk dient. Dort bekommt man Reis, Getränke und viele andere Sachen.

Wenn jemand in der Stunde mit dem Lehrer reden möchte, dann meldet er sich und steht auf, wenn er mit ihm sprechen möchte.

Jeder Schüler hat eine Schultasche und ein Etui mit dem Nötigsten und  mehrere Hefte. Es haben nicht alle Schüler Geld für die Schulbücher und so schreibt der Lehrer von seinem Buch das Ganze an die Tafel und die Schüler schreiben es ab oder er diktiert es. Oder er macht Kopien, aber das ist eher selten, da es zu teuer ist.

Die Grundschule in Boulmiougou
Die Grundschule steht auf dem Gelände der Kirche, ist aber mit einem Zaun abgetrennt. Ein einstöckiges langes Gebäude steht auf dem Gelände und ein einzelnes Gebäude auf der anderen Seite des Grundstückes. Das gesamte Gelände ist von einer großen Mauer umgeben und es stehen einige Bäume darauf, die Schatten spenden. Es gibt ebenfalls einen überdachten Fahrradstand.

In dem langen Gebäude befinden sich 6 Klassenräume für die 1. bis 6. Klasse (jeweils ein Jahrgang pro Klassenraum). 6 Lehrer unterrichten die Kinder und außerdem gibt es eine Direktorin. An der Schule sind 564 Kinder (265 Jungen und 299 Mädchen). Unterricht ist montags bis freitags jeden Vormittag von 7.30 bis 12 Uhr, außerdem an den Nachmittagen (außer donnerstags) von 15 bis 17 Uhr. Die Schule hat kein Lehrerzimmer und keinen Kiosk, die Lehrer halten sich auf dem Schulhof auf und der Kiosk besteht darin, dass zwei Frauen aus dem Viertel kommen und sich an die Eingänge setzen und Bonbons und Brote verkaufen.

Mittags hat jedes Kind einen Topf dabei und kann bei der Kirche nebenan Essen abholen, das ist im Schulgeld enthalten. Die Kinder, die nach Hause gehen können, gehen, die anderen bleiben auf dem Schulgelände und eine Lehrerin passt auf sie auf. Die Klassen sehen sehr schlicht aus. An den Wänden einzelne Bilder, sonst der normale vom Staub bedeckte Putz. Viele kleine Bänke füllen den Raum, die zu Gruppentischen zusammengestellt sind. An einem Gruppentisch sitzen 6 Kinder. Die Gruppentische haben jeweils immer einen Namenspatron, zum Beispiel Josef oder Elisabeth, und an einem Tisch hat immer eines der Kinder das Kommando.
An der Front des Klassenraumes befindet sich eine große eingelassene Tafel. Jede Klasse hat 4 Fenster mit den üblichen Sonnenblenden davor. Wenn es stürmisch ist, knallen sie gegen den Rahmen und die Schüler können sich nicht mehr konzentrieren. Es ist auch sehr warm in den Räumen. Das Gebäude hat ein Wellblechdach, auf dem die Sonne steht. Vor der Tafel steht ein großer Eimer mit Wasser für die Tafel. Daneben ein großer Behälter mit Trinkwasser auf einem Gestell. Dort können die Kinder Trinkwasser abzapfen. Es gibt allerdings nur zwei Becher. An der Seite steht ein  Tisch mit Kreide und Büchern, ein bisschen durcheinander und dient als Pult für die Lehrerin. Auch in der Grundschule tragen die Schüler blau-weiß-gestreifte Schuluniformen. Das Schulgeld beträgt 63 Euro im Jahr. Außerdem muss ein Buch angeschafft werden.

Ein Vormittag in der Grundschule
Der Unterricht beginnt um 7.30 Uhr, aber die Kinder reinigen dann erst mal die Klassenräume und wenn das mit viel Durcheinander und Trubel und einer unheimlichen Lautstärke geschafft ist, stellt sich die Klassenlehrerin vor die Klassentür. Und dann stellen die Kinder sich in Dreierreihen hintereinander und dann geht es ein bisschen wie beim Militär zu. Die Lehrerin sagt: Bitte Arme und Beine bewegen, still gestanden, gerade stehen, lockern, gerade stehen, vollzählig? Wenn ja: nacheinander eintreten.

Dann nehmen die Schüler Platz und eine jede Klasse wird nur von einer Lehrerin unterrichtet, den ganzen Vormittag. Dann wird immer für 30 Minuten ein Thema unterrichtet. Erst singt und betet die Lehrerin mit den Kindern. Dann wird im Lesebuch gelesen, danach müssen die Kinder zweimal auf das Kommando der Lehrerin aufstehen und wieder hinsetzen. Anschließend wird gerechnet. Die Anfänger nehmen dazu als Hilfe Kronkorken von Cola- und Fantaflaschen, wie auf dem Foto zu sehen ist. Nach 30 Minuten wird dann aufgestanden und marschiert und danach gibt es zum Beispiel kleine praktische Übungen, um die französische Aussprache zu lernen. Um 10 Uhr ist die große Pause für eine halbe Stunde und die Kinder toben sich aus und spielen auf dem Gelände.

Ein Kind hatte zum Beispiel heute Morgen Bauchschmerzen und dann ist es in der Stunde zur Lehrerin gegangen und die Lehrerin und die ganze Klasse haben für das Kind gebetet und die Lehrerin hat ihre Hand auf den Bauch gelegt. Danach war es gut und der Junge hat sich wieder hingesetzt.

Wenn ein Kind etwas gut weiß oder kann bekommt es eine Belohnung oder als Ansporn ein Stück Kreide. Die Kinder haben auch keine Schnellhefter, sondern kleine Tafeln und dafür ist die Kreide sehr nützlich und sie freuen sich.

Wenn ein Kind zur Toilette muss, dann macht es einen Knicks vor der Lehrerin und fragt damit, ob es zur Toilette darf, wenn es wieder eintritt wieder ein Knicks und sagt Danke.

Viele Grüße aus Ouagadougou!
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